Risikofaktoren

Stürze sind selten auf nur eine Ursache zurückzuführen, in den meisten Fällen spielen mehrere Einflüsse eine Rolle.


Oft passieren Stürze aus Unachtsamkeit und könnten sehr leicht verhindert werden. Unbewusst oder sogar wider besseres Wissen, begeben sich viele in eine Gefahrensituation. Ohne darüber nachzudenken, steigen viele auf eine Leiter, um einen Vorhang aufzuhängen, Obst vom Baum zu pflücken oder auf dem Dach etwas zu reparieren. Bei Regenwetter fahren sie mit einer Hand Fahrrad und halten in der anderen ihren Regenschirm. Die Betroffenen überschätzen sich, was besonders auch fitte Ältere betrifft. Sie wollen nur ungern um Hilfe bitten, um nicht zur Last zu fallen oder noch möglichst selbständig agieren, begeben sich damit aber unnötig in eine Sturzsituation.


Ältere Menschen sind vielen Veränderungen, was Körpergröße, Körpergewicht, Muskelmasse und Funktionsfähigkeit der Sinnesorgane betrifft ausgesetzt und müssen sich damit neuen Herausforderungen im Alltag stellen. Die Körpergröße nimmt, bedingt durch eine Verminderung der Bandscheiben- und Wirbelhöhe und auf Grund einer verstärkten Krümmung der Wirbelsäule ab. Es werden Hilfsmittel, wie Hocker oder Leitern eingesetzt um an Dinge oben im Schrank zu gelangen, wodurch das Sturzrisiko erhöht wird. Übergewicht im Alter kann neben gesundheitlichen Risiken in Bezug zu Sturz dazu führen, dass zum Beispiel kleine Trittleitern oder Hocker nicht mehr dem Gewicht entsprechen. Verringertes Körpergewicht, vor allem bei hoch betagten Älteren kann die Standfestigkeit herabsetzen. Leichte Rempler oder Gedränge lassen sie ihre Balance verlieren. Problematisch sind die Veränderungen vor allem aus dem Grund, da sie nur schleichend passieren und erst ab einer gewissen Stufe wirklich bewusst werden.

Charakteristisch für den Alterungsprozess ist außerdem die Abnahme der Muskelmasse und Muskelkraft. Durchschnittlich verringert sich die Muskelkraft ab dem 60. Lebensjahr um 1-1,5% im Jahr. Am stärksten schwindet die Kraft in den Beugemuskeln des Unterarms.
Bei Stürzen nach vorne, fehlt hier die Fähigkeit sich mit den Armen abzufangen und den Sturz abzubremsen. Es erfolgt auch eine Reduzierung der Beinkraft, was in starkem Maß alltägliche Bewegungen, wie Treppensteigen oder Einkaufen gehen oder sogar das Aufstehen von einem Stuhl beeinflusst. Lässt die Kraft zum Beispiel beim Treppensteigen nach, kann das Bein nicht mehr weit genug angehoben werden, um die Höhe einer Stufe zu überwinden, man bleibt mit dem Fuß hängen und stolpert. Genauso auf einer Wanderung oder beim Spazierengehen, mit eintretender Ermüdung, lässt die Schritthöhe nach. Es kann dann leicht passieren, dass eine Wurzel oder der Bordstein übersehen wird und ein Sturz die Folge ist. Muskelschwäche trägt zum Verlust der Funktionalität, dem Rückgang von körperlichen Aktivitäten und der Mobilität bei.


Als weitere Risikofaktoren sind die Einnahme von Medikamenten, z.B. Psychopharmaka, Blutdruckmittel, Schlafmittel zu nennen.


Zusammenfassend können die Risikofaktoren in intrinsische und extrinsische Risikofaktoren eingeteilt werden. Intrinsische beschreiben Ursachen, welche die Person selbst betreffen, wie Gesundheitszustand, Muskelkraft, Gleichgewichtsfähigkeit. Extrinsische beinhalten alle Faktoren außerhalb des Menschen, also Umgebungsbedingungen, wie Stolperfallen, rutschiger Untergrund oder schlechte Beleuchtung. Einen Überblick über die wichtigsten Risikofaktoren gibt die nachfolgende Auflistung in Anlehnung an den Leitfaden der DEGAM.

Intrinsische Risikofaktoren:


Extrinsische Faktoren:


Risikofaktoren lassen sich bei der genaueren Betrachtung der individuellen Situation einer gefährdeten Person leicht ausmachen und können durch ihre Veränderung das Risiko zu stürzen herabsetzen. Bei einem Anstieg der Risikofaktoren von zwei auf drei, konnte gezeigt werden, dass sich die Sturzgefährdung in den nächsten zwölf Monaten um 28% erhöht. Liegen vier oder mehr Einflüsse vor steigt das Risiko zu stürzen auf 78% im nächsten Jahr. Die Zahlen belegen, dass es wichtig ist, im Zweifelsfall auch nur ein Risikofaktor zu beeinflussen und sich dadurch bereits positive Ergebnisse zeigen können.